Markus-Paul-Stiftung e.V.

16jähriger Einbrecher ersticht Polizisten in Mannheim

Hintergrund: (Quelle: Stuttgarter Zeitung vom 12.12.1998)

Zigaretten und Terrarium aus Supermarkt gestohlen - Täter mit stark krimineller Vergangenheit - Beamter schießt in Notwehr

MANNHEIM. In Mannheim hat ein Jugendlicher bei einem nächtlichen Einbruch in einen Supermarkt einen Streifenpolizisten erstochen. Der Täter war bereits mehr als 20 Mal mit dem Gesetz in Konflikt gekommen.

Von Johanna Eberhardt

Trotz seiner Schutzweste wurde der Polizist so schwer verletzt, daß er nach der notärztlichen Versorgung am Tatort wenig später im Krankenhaus starb. Der Tatverdächtige hat nach Einschätzung der Polizei zunächst den Diensthund der Beamten mit mehreren Stichen getötet. Danach durchtrennte er dem 32 Jahre alten Polizeiobermeister mit einem Stich die Halsvene. Dessen 37jähriger Kollege, den der Jugendliche im Bereich des Schulterblatts mit dem Messer attackierte, überstand die Angriffe unverletzt; die Schutzweste verhinderte dort das Eindringen der Schneide in den Körper.

Der Beamte steht unter einem schweren Schock und war gestern noch nicht vernehmungsfähig. Dies gilt auch für den Tatverdächtigen. Der tödlich verletzte Beamte hatte nach Angaben der Polizei auf ihn in Notwehr einen Schuß abgegeben und ihn in den Bauch getroffen. Das Opfer war mit einer Polizistin verheiratet und hatte eine fünf Monate alte Tochter. Auch sein Vater und sein Bruder arbeiten bei der Polizei.

Der 16jährige, der im Mannheimer Stadtteil Neckarstadt bei seinen Großeltern wohnt, liegt derzeit im Krankenhaus. Nach Auskunft des Mannheimer Polizeipräsidiums ist er seit vergangenem Jahr 21 Mal mit schweren Eigentumsdelikten, insbesondere Autoaufbrüchen, in Erscheinung getreten. Auch bei dem Einbruch in dem Real-Einkaufsmarkt in Mannheim-Sandhofen war er mit einem kurzgeschlossenen, vermutlich gestohlenen Wagen unterwegs.

Die zwei Streifenbeamten waren gemeinsam mit zwei Kollegen der Hundestaffel kurz nach ein Uhr morgens aufgrund eines sogenannten stillen Einbruchalarms zu dem Markt geschickt worden. Sie entdeckten als erstes eine eingeschlagene Tür zur Zooabteilung des Geschäfts. Dann sahen sie ein Auto mit Licht und laufendem Motor auf dem Parkplatz. Ein 15jähriges Mädchen aus Schwetzingen kam ihnen entgegen und sagte, ihr Freund sei in den Markt ¸¸eingestiegen''. Im Fahrzeug lag bereits ein erster Teil der Beute: ein Terrarium mit Schlangen und eine größere Menge Zigaretten. Vor dem Einbruch soll er gesagt haben: ¸¸Jetzt hole ich mir die Schlange, die ich haben will.''

Während die beiden Streifenbeamten die äußere Absperrung übernahmen, begannen die Diensthundeführer mit der Durchsuchung des Marktes. Unweit der Kassenzone seien sie und der Jugendliche aufeinandergetroffen. Was sich in den folgenden Minuten abgespielt habe, müsse im einzelnen noch ermittelt werden. Vermutlich seien die zwei Hundeführer von hinten angegriffen und niedergestochen worden. Die Beamten draußen seien erst durch Hilferufe ihrer Kollegen und den Schuß aufgeschreckt worden. Man vermutet, daß der Täter in den dunklen Geschäftsräumen als erstes den Diensthund verletzte, um ihn außer Gefecht zu setzen, erklärte ein Sprecher der Polizei. Er habe bisher noch von keinem Fall gehört, bei dem ein Polizeihund und dessen Besitzer auf ähnliche Weise getötet worden seien.

Laut Staatsanwaltschaft handelt es sich bei der Tatwaffe um ein Fleischermesser mit einer 20 Zentimeter langen Klinge. Ob der Täter das Messer im Supermarkt gestohlen oder bereits zum Einbruch mitgebracht hat, konnte noch nicht geklärt werden. Aus Solidarität mit dem getöteten Beamten, der über zehn Jahre im Polizeidienst war, fahren seit Freitag alle Streifenwagen im Raum Mannheim mit einem schwarzen Trauerflor. Nach Angaben des Mannheimer Polizeipräsidenten Knut Feldmann sind im Laufe des Freitags bereits Hunderte von Anrufen und schriftlichen Beileidsbezeigungen bei seiner Behörde eingegangen.

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